Ein legeres Oberteil nach Josie Natori

Hach, wie schön es war, in diesem luftigen Oberteil, schön gebräunt in Italien in der Sonne zu stehen und den Wind zu spüren.

Kombiniert mit Hose: DIY nach Burda 5/2012 Modell 122, Schuhe: Chanel, graues Armband: letztes Jahr in Venedig gekauft

Letztes Jahr vor’m Urlaub war es ähnlich: im Urlaub muss einfach für den Blog fotografiert werden. Schließlich bekommt man solch wunderbare Fotokulissen kein zweites Mal geboten. Und dafür muss sich das ein oder andere Designernähwerk im Koffer befinden, was ich natürlich im Vorfeld genäht habe. Wenn ich überlege, was für eine Produktivität ich vor’m Urlaub an den Tag lege, frage ich mich doch ernsthaft, wo sie sonst versteckt ist. Alternativ könnte man sagen: ich arbeite am besten unter Zeitdruck. Insgesamt sieben Modelle sind entstanden. Begonnen hat es mit dem Netzkleid und heute geht es weiter mit diesem Oberteil.

Ich nenne es herzlos Oberteil, weil es kein Kleid ist. Es sieht zwar aus wie eines, aber es ist zu hoch geschlitzt, um es ohne etwas darunter tragen zu können.
Die Spring 2017 Kollektion von Josie Natori hatte erstaunlicherweise einige Modelle, die mir gut gefielen. Na, wollen wir nicht übertreiben – es sind drei Modelle. Im Regelfall gefällt mir aber meist nur eines, daher sind drei auf jeden Fall bemerkenswert. Neben diesem Rock, der mir auch noch im Kopf herumschwirrt, hat es mir ganz besondert diese Kombination angetan:

Quelle: Josie Natori – Spring 2017 Ready-to-Wear Vogue

Leider hat die Zeit nicht mehr ausgereicht, um auch noch die Hose zu nähen, aber sie steht weiterhin auf meiner Nähliste. Womöglich in einem Stoff, der auch im Herbst zu tragen ist … aber bevor ich hier in Gedanken mit der Hose wegschwebe, zurück zum Oberteil und dessen Designerin. Josie Natori wurde 1947 auf den Philippinen geboren und – ich finde – das sieht man ihrer Mode an. Die Zierde am Original ist – wie soll es anders sein – nicht meines. Schlicht, gradlinig … nicht wahr? Und genau das – finde ich – ist ihre Mode, wenn man den Schmuck wegnimmt. Grau ist bei ihr nichts, aber bei mir sehr wohl. Der Stoff ist aus der besagten Reste-Stoffkiste, die Viskose von Stoff & Stil. Aber dass dieser Stoffrest für das Oberteil reichte, war nicht von Anfang an klar. Und eigentlich reichte er auch nicht ganz, aber dazu später mehr.

Als Schnittmuster kombinierte ich die beiden Burda Schnittmuster 109-111 aus Burda 3/2004 (rückwärtige Teile, verlängert) und 129 aus Burda 11/2013 (vorderes Teil). Das Schnittmuster aus dem Jahr 2004 habe ich bereits zweimal für Unterkleidchen benutzt und war jedesmal von der Passform begeistert. Die zwei einzelnen Schnittteile im Rücken kombinierte ich zu einem. Was leider zu mehr Länge im Rücken führte und dadurch sitzt das Oberteil im Rücken nicht so gut wie das Originalschnittmuster. Das Vorderteil ging problemlos aus dem Schnittmuster zu übernehmen.

Was ich mir unbedingt angewöhnen muss: Stütznähte – damit der Stoff an den Kanten nicht nachgibt. Das tut er natürlich besonders gern, wenn die Kante schräg ist und wenn man die Klamotte zur mehrmaligen Anprobe heftet (natürlich allein mit dem inneren Bedürfnis, ein Schlangenmensch zu sein). Das Oberteil sollte locker fallen und einfach zum Überwerfen sein, daher wollte ich keinen Reißer verwenden. Es hat auch keinen Reißer, aber das Überwerfen ist eher ein Überzuppeln und -ziehen ;-).

Nachdem die Passform stimmte, wurden die Träger abgelängt. Die Träger sind breiter als am Original, weil ich’s bei der dunklen Farbe optisch angenehmer finde.

Der obere Teil des Oberteils ist gedoppelt und hier musste ich in Ermangelung von Oberstoff zu einem Futterstoff greifen. Dieser ist farblich anders und obwohl ich ihn auf der Nahtzugabe festgenäht habe, spickt er immer wieder oben heraus 🙁 Das ärgert mich richtig, besonders deshalb, weil mir das immer wieder passiert und ich nicht weiß, wie ich das verhindern kann. Wenn jemand von Euch einen Tipp hat – bitte, her damit! Ggf. änder‘ ich das Innenfutter auch nochmal komplett und mache es hinten etwas länger, damit die Mehrlänge im Rücken nicht so auf dem Hintern aufstibbelt. Mit Futterstoff könnte der Stoff besser rutschen.

Ansonsten gefällt mir das Oberteil richtig gut und ich werde es bestimmt auch noch im Herbst mit einem Rolli drunter tragen. Leider leider leider ist die Viskose so knitteranfällig insofern ist das Oberteil nur reisetauglich, wenn man ein Bügeleisen zur Hand hat 😉

Zusammenfassung
Inspiration: Oberteil von Josie Natori, Spring 2017
Material: 0,85cm x 130cm dunkelgraue Viskose von Stoff & Stil, 40cm Futterstoff
Schnittmuster: Burda 3/2004, Modell 109-111 und Burda 11/2013, 129 (vorderes Teil)
Kosten: ca. 8 Euro

4 Gedanken zu „Ein legeres Oberteil nach Josie Natori&8220;

  1. Mir gefällt deine Umsetzung noch ein ganzes Stück besser als das Original. 🙂

    Wegen des herausblitzenden Futters: hast du die Nahtzugabe am Futter festgesteppt (Stichwort: „understitching“)? Und das Futter an den Seitennähten mit dem Oberstoff verbunden? Beides bringt immer eine ganze Menge, aber manchmal reicht es leider auch nicht – gerade, wenn das Futter weich fällt… bei einem meiner Standardschnitte ist das auch immer ein bisschen kritisch, da wollte ich mal versuchen die Ausschnittkante des Futters zu verstärken, in der Hoffnung, dass das in Verbindung mit „understitching“ das Futter zähmt.
    Bin gespannt ob noch andere Tips kommen!

    1. Liebe Annemarie,
      das Futter und alle NZG habe ich nach oben gebügelt, anschließend samt NZG nach innen/unten und dann erst das Futter auf der NZG angenäht. Wenn alles oben ist und ich dann nähe, hatte ich es schon, dass sich die NZG etwas wölbt, wenn alles nach innen gebügelt wird. Und genau deshalb das Futter nach oben rutscht. Was ich nicht gemacht habe, ist das Futter an den Seitennähten mit dem Oberstoff verbinden. Macht man das mit einem Fadensteg wie bei Jacken? 1cm Länge? Oder eher passend? Weil Du von Vlieseline sprichst: Bei einem kurzärmligen Seidenkleid wurden Hals und Armausschnitte mit Belegen versäubert. Die Belege sind mit dünner Vlieseline verstärkt, selbes Bügel— und Nähprozedere wie oben und trotzdem rutschen ständig die Belege heraus :–( Aber auch hier fehlt das Verbinden mit dem Oberstoff. (Außerdem habe ich diesen Anti–Ausleiern–Stich aus Selbstüberschätzung nicht gemacht, das ist schlichtweg falscher Geiz und sollte ich mir einfach abgewöhnen).
      Liebe Grüße
      Kerstin

      1. Bei einem recht weiten Oberteil, das locker schwingt, habe ich das Futter und den Oberstoff schon per Hand an den Nahtzugaben zusammengenäht oder auch einfach im Nahtschatten der Seitennaht mit der Maschine. Das hat auf jeden Fall etwas geholfen. Könnte mir allerdings vorstellen, dass bei einem engen Oberteil dann komische Zugfalten entstehen könnten.
        Ich bin auch noch am experimentieren wie sich das Problem am besten lösen lässt 🙂
        Vielleicht sogar mit einem dünnen Streifen Saum-Vlies? Das möchte ich demnächst gerne probieren.

        Liebe Grüße,
        Annemarie

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