Künstlicher Pelz wie bei Piazza Sempione?

Ob Piazza Sempione bei der Weste Kunstfell und -leder benutzt haben oder nicht ist mir schnuppe. Meiner einer hüllt sich jetzt in künstlichen Pelz und fühlt sich darin tierisch wohl.


Kombiniert mit Hose (G-Star), Rolli (H&M), Handschuhe (Roeckl), Schal (someday.), Heels (Navyboot)

Bei der Suche nach Designerstückchen, die ich als Nächstes in meiner leider viel zu kargen Freizeit nachschneidern möchte, finde ich immer wieder Designer, deren Namen ich noch nie gehört habe. Piazza Sempione gehört zu eben diesen. Was wie eine Adresse klingt, ist auch eine. Piazza Sempione hat ihren Namen nach dem Ort ihrer ersten Modenschau im Jahr 1991 gewählt. In Mailand versteht sich. Piazza Sempiones Fall 2016 Kollektion ist in meinen Augen sehr klar, unaufgeregt und es ist viel Tragbares dabei. Die Fell-Leder-Weste fiel mir sofort auf. Eine Weste aus diesen Materialien und dann so tragbar? Einfach zum Drüberwerfen? Genau so etwas wollte ich haben.

Quelle: Piazza Sempione Fall 2016 Ready-to-Wear Fashion Show – Vogue

In der Burda 11/2016 war passenderweise ein sehr ähnliches Schnittmuster – Modell 114. Lediglich der V-Ausschnitt war unpassend, aber da wurde kurzerhand ein Rundhalsausschnitt von einer Jacke rangezeichnet. Die Proportionen der beiden Stoffe wurden auch noch etwas an das Designermodell angeglichen.

Per Zufall ist mir ein Bestandsstoff, genaugenommen: Bestandspelz in die Finger gekommen. Den Pelz habe ich im August 2012 bei Alfatex gekauft und wollte daraus einen Fellkragen zu einem Mantel nähen. Es handelte sich sogar um den Originalstoff. Stoff ist so viel schneller gekauft als genäht, also lag der Pelz sehr lange hier herum. Doch jetzt wurde das gute Stück für diese Weste angeschnitten. Und aus dem Reststück kann ich immer noch de Kragen nähen … irgendwann 😉 Bei Idee. im KaDaWe fand sich dann noch ein tolles Kunstleder mit etwas Stand.

Zuerst wurde das Fell zugeschnitten und schnell war klar: die Weste braucht einen Besatz. Die offene Kante am Hals wollte ich nicht tragen und spätestens wenn Pelz und Leder zusammengenäht werden, habe ich vorn unschöne Kanten. Also wurden ein Besatz abgenommen. Dieser und die unteren Westenteile wurden dann aus dem Kunstleder geschnitten und zuerst nur der Besatz mit Vlieseline verstärkt. Das Zusammennähen von Pelz und Leder war nicht spaßig. Die Stoffe sind schlichtweg zu unterschiedlich. Als die Weste – ungefüttert – fertig war, beäugte ich das Leder mit gerunzelter Stirn. Es hatte ja eigentlich etwas Stand, aber in Kombination mit dem Pelz war es einfach nur labbrig. Kurzerhand wurde Vlieseline zurechtgeschnitten und irgendwie nachträglich auf die Lederteile gebügelt. Glücklicherweise funktionierte das sehr gut, denn an ein Auftrennen war wegen möglicher Löcher und vor allen wegen des Pelzes nicht wirklich zu denken. Damit sich die Vlieseline nicht versehentlich ablöst (in die Kanten ließ sie sich nicht gut bügeln), habe ich sie auf der Nahtzugabe festgenäht. Also : sehr viel Pfusch oder – positiver formuliert – es musste improvisiert werden, um nicht alles in die Tonne zu werfen. Das Kunstleder ärgerte mich dann nochmal: die Nahtzugaben ließen sich weder Bügeln noch Falzen. Und die Nahtzugabe mit sichtbaren Nähten zu fixieren – was recht häufig bei Ledersachen gemacht wird – wollte ich unter keinen Umständen. Also probierte ich es mit Pattex. Einfach die Nahtzugabe mit Pattex bestreichen, etwas anziehen lassen und dann mit Druck an die linke Stoffseite drücken. An Resten startete ich einige Versuche, bis ich die richtige Menge Kleber – wenig, sonst weicht der Stoff auf und schlägt Wellen – , keine Anziehzeit – damit man noch korrigieren kann – und sehr vorsichtig von der Naht möglichst gerade ins Schnittteil hinein andrücken – sonst verzieht sich alles. Mir ist es nicht überall perfekt gelungen, aber an den wichtigen Stellen schon und das ist die Hauptsache. Zuletzt wurde noch das Futter hineingenäht.

Die Weste trägt sich toll! Und wenn man die Hände tief in die Taschen vergräbt, kann man sich so wunderbar in die Weste kuscheln. Allerdings muss ich zugeben: der Pelz macht die Weste speziell. Während das Original zum ‚Drüberwerfen‘ einlud, ist meine Version jetzt besonders und auffällig. Vor lauter ‚keinen Stoff kaufen, nein, der Stoffvorrat muss kleiner werden‘ hab ich mein eigentliches Ziel aus den Augen verloren. Aber ich liebe diese Weste und hoffe auf etwas wärmere Temperaturen – ohne Ärmel friert man doch – damit ich sie bald tragen kann.

 

Zusammenfassung
Inspiration: Piazza Sempione, Pre-Fall 2016, Fell-Leder-Weste
Material: 0,6m x 1,4m Kunstpelz, 1,5m x 1,4m Kunstleder, beide Stoffe je zur Hälfte benutzt, Vlieseline
Schnittmuster: Abwandlung von Burda 11/2016, 114
Kosten: ca. 35 Euro

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