Streifenhemd von Ports 1961 interpretiert

Blauweiß gestreift, aber ganz sanft nur, denn sowohl mit Streifen als auch mit Farbe tu ich mich schwer.

Kombiniert mit Hose: DIY nach Burda 5/2012 Modell 122, Sneaker: Kennel & Schmenger

Sobald ich bei der Durchsicht der neuen Kollektionen Designer sehe, deren Arbeit ich schon mal nachgearbeitet habe, kribbelt es immer ein wenig. Was hatte ich nachgearbeitet? Ach ja, dies oder jenes. Ob ich wohl wieder etwas finde, was mich in den Bann reißt? Es gibt ja Menschen, die ‚ihren Designer’ finden. Zu denen gehöre ich nicht. Vielleicht noch nicht. Deshalb finde ich die Recherchezeit immer auch sehr spannend.
Ports 1961 war schon einmal unter meiner Nähnadel. Und zwar als eine Art Rollkragenshirt mit und ohne Pailletten zu tragen. Während mich bei deren Fall 2016 Kollektion einige Sachen angesprochen hatten, war das Hemd aus deren Spring 2017 Kollektionen ist das einzige Modell, das mich im Kopf ‚Ha, das ist es!‘ rufen ließ.

Quelle: Ports 1961 Spring 2017 Ready-to-Wear Fashion Show

Das halbseitige Auf/Abknöpfen fand ich so pfiffig, dass ich keinen Moment an ‚bauchfrei‘ dachte. Und an mein Alter sowieso nicht. Also ging es los.

Die Schnittmuster- und auch Stoffsuche gestalteten sich einfach. Für das Victor Alfaro Hemd hatte ich bereits ganz viele Hemdenschnittmuster rausgesucht und intensive Stoffsuche betrieben. Und wie das bei Stoffsuche ist, man findet entweder gar nichts oder mehr als man wollte. Wobei das etwas geflunkert ist. Bei jeder Stoffentdeckung fiel mir meist auch ein passendes Designerstück ein. Bei Gebrüder Berger fand ich einen wunderbaren Baumwollstoff, ein ganz blasses Blau mit sanften, weißen Streifen. Und die Innenseite ist entsprechend umgekehrt. Sprich: der Stoff ist beidseitig zu verwenden und damit natürlich hervorragend für das Hemd von Ports 1961 geeignet. Ein Schnittmuster hatte ich seinerzeit noch nicht, aber das Schöne am ‚Dinge öfter tun‘ ist das Lernen und Erfahrung sammeln – ich nahm 2m mit, die sollten für ein nicht sackiges aber trotzdem oversize Hemd reichen.

Hinsichtlich Schnittmuster hatte ich ja erwähnt, dass ich eine große Auswahl zusammengetragen hatte. Ein Schnittmuster wiederverwenden war nicht drin, daher fiel meine Wahl auf einen anderen Hemdenschnitt, nämlich aus Burda 10/2016 das Modell 120A. Boyfriend, Oversize und überschnittene Schultern schreibt Burda und sollte das auch halten.

Jetzt denkt ihr sicher: Schnittmuster? Für das Hemd gibt es doch kein Schnittmuster! Recht habt ihr. Aber da ich keine Ahnung habe, wie man ein Schnittmuster macht, wandle ich bestehende ab. Oder orientiere mich an deren Weiten oder Linienführungen – so wie bei diesem hier.
Die Passe habe ich an der Schulter geteilt und den vorderen Teil an die Vorderteile gearbeitet. Die Vorderteile habe ich dann etwas unterhalb der Brust durchgeschnitten. Mit dieser Länge wurde dann auch das Rückenteil durchgeschnitten. Die Verbindung zwischen dem oberen und unteren Hemdenteil habe ich als verdeckte Knopfleiste gearbeitet. Eine Änderung, die sehr einfach zu machen ist, weil man lediglich die Knopfleistenbreite vervielfachen muss.

Schwieriger ist es, eine waagerechte und eine senkrechte verdeckte Knopfleiste zu kombinieren. Zuerst steckte ich in der Frage fest: nähe ich zuerst die Senkrechte oder erst die Waagerechte? Das Ganze wurde kurzerhand aus Papier gefaltet, um es am Modell auszuprobieren. Beide Varianten waren nicht befriedigend, denn am rechten Vorderteil störte immer die entstehende Ecke/Stofffalte. Außerdem waren es hier viel zu viele Stofflagen. Da fiel mir ein, dass die Kanten von Blasebalgtaschen genau meinem Wunsch entsprechen und habe mir die Anleitung aus einem Burdabuch genau angeschaut. Daraufhin war alles ganz einfach.

Kleine Erklärung hierzu: Es gab zwei Schnittmuster für die Vorderteile – oben und unten. Diese schnitt ich je zweimal aus – einmal natürlich seitenverkehrt. Und es gab Schnittmusterausschnitte für die unterschiedlichen Ecken, anhand derer die vier Schnittteile nachträglich zugeschnitten und markiert wurden. Ein wasserlöslicher Markierstift war hierbei ein grandioser Helfer.

Der Stoff ließ sich super verarbeiten – bis zu dem Zeitpunkt, wo ich Knöpfe beziehen wollte. Beim Beziehen selber habe ich schon viel Ausschuss produziert. Dann waren die Ösen viel zu hoch und sämtliche Knöpfe guckten gen Boden. Zu guter Letzt ging ein Teil der Knöpfe bei der ersten Maschinenwäsche auseinander. Ein voller Erfolg sage ich Euch. Aber zum Glück gibt es Knopf Paul. Und nochmal wurden 28 Knöpfe von Hand angenäht.

Eine kleine nachträgliche Änderung gab es noch. Bei allen unteren Teilen habe ich nachträglich Vlieseline in die Knopfleiste gebügelt, da der Stoff zwischen den Knöpfen durchhing.

Auf das Hemd bin ich sehr stolz. Es ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt habe, die Streifen sind schön dezent, die Passform ist toll weil nicht zu weit. Der Kragensteg sorgt wie immer für Punktabzug, da tu ich mich einfach schwer und verdien mir da regelmäßig die Benotung „Sie war stets bemüht“. Der einzige Wehrmutstropfen ist: das obere Teil könnte 3cm länger sein. Der BH blitzt schnell unten raus. Aber man kann es ja auch „angeknöpft“ tragen (siehe letztes Bild).

Zusammenfassung
Inspiration: Hemd aus der Ports 1961 Spring 2017 Ready-to-Wear Fashion Show
Material: 2m x 1,5m gestreifte Baumwolle von Gebrüder Berger
Schnittmuster: Burda 10/2016, Modell 120A
Kosten: ca. 40€ (ca. 20€ für den Stoff, 20€ für die Knöpfe)

2 Gedanken zu „Streifenhemd von Ports 1961 interpretiert&8220;

    1. Danke schön Du Liebe! Dass Du Deinen Bauch nicht zeigen kannst, mag ich gar nicht glauben. Du bist doch soooo schlank! Im Badeurlaub trägst Du doch bestimmt einen Bikini, oder? Aber ich glaub, ich weiß, was Du meinst. Mir fällt es auch schwer und ich denke, dass man aus dem Bauchfrei-Alter irgendwann mal raus ist. Aber immer daran denken – bei GNTM heißt es auch Bauch rein, Brust und Hintern raus! Meinst Du, ich hab das anders gemacht? *zwinkernde Grüße*

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