Trina Turk`s Allrounder Oberteil

Oberteile kann man nie genug haben. Und wenn man dann auch noch feststellt, dass es ein ziemlicher Allrounder ist, dann weiß man – alles ist richtig, auch wenn man nicht alles richtig gemacht hat.

Kombiniert mit Body: Wolford, Hose: DIY nach Burda 8/2010, 124 Gürtel: G-Star RAW, Schuhe: Vagabond.

Im Frühjahr habe ich ja festgestellt, dass mir einige Oberteile im Schrank fehlen und deshalb bei meiner Laufsteg-Recherche explizit nach Oberteilen Ausschau gehalten. In der Spring 2017 Kollektion von Trina Turk ist mir ein Oberteil im Denim Look aufgefallen.

Quelle: Trina Turk Spring 2017 Ready-to-Wear Fashion Show – Vogue

Tunika artig. Sehr ungewöhnliches Kleidungsstück für mich, wo ich doch kein einziges Exemplar im Schrank habe. Und wer ist diese Trina Turk? Wer einen Blick auf ihre Kollektion geworfen hat wundert sich nicht. Die Designerin kommt aus Palm Springs, Kalifornien und macht einfach mal gut gelaunte Sommerklamotten.

Also fasste ich den Entschluss, dass diese Tunika genäht wird, wenn ich denn einen passenden Stoff finde. Das war im April 2017. Zu der Zeit war ich krankgeschrieben und hatte also ein paar Tage Berlin vor mir. Die Gelegenheit wollte ich nutzen und endlich mal 1000Stoff einen Besuch abstatten. Verschnupft ging es zu Lara und prompt hatte sie einen super passenden Stoff (oben rechts). Wir wussten beide nicht, wie viel Stoff ich tatsächlich brauche, also nahm ich 2 Meter samt passender Vlieseline – im festen Glauben, dass ich das mit meinem Erkältungskopf in Berlin nähen könne. Großer Irrtum, denn die Rüsselseuche fesselte mich ans Bett. Kreatives Denken, um ein Schnittmuster dafür zu konstruieren, war schlichtweg nicht drin. So verging die Zeit, es kamen andere Nähprojekte dazwischen und in gewisser Weise prokrastinierte ich auch. Wie bei vielen Designerteilen, deren Schnittmusterfindung eine gewisse Herausforderung darstellt. Vor lauter Hemmschwelle, dass es nicht gelingen könnte, drücke ich mich vor dem Anfang.

Es wurde viel recherchiert und im Herbst lagen folgende Puzzleteile auf dem Tisch:
Anleitung Tunika-Ausschnitt
Anleitung doppelte Kappnaht
Fashion Style 2/2016, Modell 24
– Ausschnitt von Modell 23 der Nähtrends 2/2016

Unter Berücksichtigung der beiden Schnittmuster zeichnete ich von Hand ein eigenes Schnittmuster. Aus alten Kissenhüllen nähte ich zwei Probemodelle, an denen ich den Sitz und den Fall der Tunika testen wollte. Als ich zufrieden war mit dem Schnittmuster, wagte ich mich an den Originalstoff, Chambray von Robert Kaufman, fand ein passendes Nähgarn und alles lief … schief. Eines der Rückenteile lag zu nah an der Webkante und enthielt diese feinen Löcher, die manchmal knapp neben der Webkante entlang zu sehen sind. Und natürlich waren sie NICHT in der Nahtzugabe. Ich entschied, es so zu lassen, schließlich ist es Denimlook und darf etwas used aussehen. Das geschulte Auge sieht diesen Fehler natürlich in der hinteren Rückennaht. Der Tunika-Ausschnitt ließ sich auch super nähen aber er ist viel zu tief. Bei den Probemodellen hatte ich mir keine Gedanken dazu gemacht. Sollte ich jetzt alles wieder auftrennen, Teile neu schneiden und noch mal alles nähen? Nein, ich beschloss, dass das mit dem noch fehlenden Fadensteg irgendwie gehen muss und ich ggf. etwas drunter trage, denn der Ausschnitt ist eh schwierig.

Das Ärmelbündchen ist etwas eigenwillig realisiert. Die Manschette überlappt sich und ist mit einem Knopf zu schließen. Allerdings hätte ich das Stück zwischen den beiden Manschettenschmalseiten ähnlich wie manche Ärmelschlitze mit einem schmalen Stoffstreifen umnähen müssen. Was zum einen sehr friemelig zu nähen ist bzw. gern unsauber aussieht und zum anderen die Gefahr birgt, wenn man die Manschette schließt, dass dieser Stoffteil verrutscht und wie ein Loch wirkt. Der Knopf ist also normal festgenäht aber das Knopfloch geht durch das doppelt genommene Bündchen. Die Weite ist ok. Sowohl im geschlossenen Zustand als auch im Offenen.

Eine größere Abweichung zum Original: die sichtbaren Nähte sind nur einfach genäht statt zweifach wie bei Denim üblich. Der Fadensteg am Ausschnitt entstand übrigens mit einem 9mm breiten Zickzack mit Minitransport.

Trotz der kleinen Missgeschicke gefällt mir das Oberteil sehr. Bis zum Sommer überbrücke ich die Zeit, indem ich einen engen Rolli drunter trage. Dadurch fällt der Stoff natürlich nicht ganz so gut aber damit kann ich gut leben. Was ich im Sommer darunter tragen werde, wird sich zeigen. Bis dahin dauert es ja noch etwas.

Zusammenfassung
Inspiration: Denimoberteil aus der Trina Turk Spring 2017 Ready-to-Wear Collection
Material: 1,15 x 1,45 m Chambray von Robert Kaufman bei 1000Stoff erworben
Schnittmuster: selbstgemacht
Kosten: ca. 20 €

– Nachtrag –
Wer das Shirt nicht nach nähen, sondern lieber als Original kaufen möchte, kann das tun.

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